„Viele tolle, eigentlich grüne Ideen aber wenig Lust an parlamentarischer Arbeit“ so könnte man die Anträge der BNV und den Leserbrief von Herrn Theymann zusammenfassen. Ein bunter Strauß an Ideen. Einige davon sehr gut, andere nicht zu Ende gedacht oder einfach ignoriert, dass Viernheim nicht alleine existiert.
Ich bin persönlich sehr für Begrünung, für Entsiegelung und ganz allgemein dafür der Natur mehr Raum zu geben. Der Bereich vor meinem Haus hat sich nach dem Kauf von einen zugepflasterten Parkplatz zu einem schönen und insektenfreundlichen Garten entwickelt.
Doch im öffentlichen Raum ist es nicht damit getan, dass man etwas Beton aufstemmt und einen Setzling dort einpflanzt.
Der Untergrund Viernheims ist durchzogen von Leitungen, für Elektrizität, Frisch- und Brauchwasser, Telekommunikationsleitungen und in Teilen für das Fernwärmenetz. Einfach mal so einen Baum zu Pflanzen funktioniert eben nicht, das merkt man schon im Privaten, wenn der Abwasserkanal des eigenen Hauses den Baum an der gewünschten Stelle im Garten verhindert.
Der erste Stadtrat hat in der letzten Sitzung einen Preis je Baum genannt, der viel zu hoch erscheinen mag, so wie Herr Theymann in seinem Kommentar dies ja korrekterweise beschreibt. Bei der Betrachtung der Kosten ist der Ansatz der Maximalkosten aber sicher nicht verkehrt. Es hilft nicht, wenn die Stadt morgen – in gutem Glauben an geringe Kosten – 100 Bäume pflanzt, die wirklichen Kosten das ganze aber deutlich übersteigen oder die Bäume wichtige unterirdische Infrastruktur beschädigen.
Was auch viele Menschen übersehen ist, dass man kleine Bäume zwar günstig bekommt, diese aber häufig Vandalismus zum Opfer fallen und empfindlicher auf Hitzestress reagieren, den die Bäume eigentlich bekämpfen sollten.
Als Grüne haben wir am Landgraben in der Nähe der Bertleinsbrücke in den letzten Jahren einige Bäume gepflanzt und diese auch versorgt. Durch persönlichen Einsatz unserer Mitglieder und ohne großes öffentliches TamTam darum zu machen. Wir sollten hier als Stadtgemeinschaft zusammenarbeiten, um Viernheim besser auf die ständig steigenden Temperaturen vorzubereiten und nicht nur auf die Verwaltung schimpfen.
Ich habe es in der Stadtverodnetenversammlung gesagt und wiederhole mich gerne, als Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen sind wir für viele Dinge zu haben, wenn es um ein grüneres Viernheim geht, der Rahmen muss aber stimmen.
Wer sich nur dadurch abgrenzt, dass er der Verwaltung Unkenntnis oder eine Verweigerungshaltung unterstellt und dann sinnvolle Themen wie Fassadenbegrünung mit einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme verbindet, der tut sich und der gesamten Kommunalpolitik keinen Gefallen. Das merkt man auch am Abstimmungsverhalten der BNV Fraktion, die nach den Wortmeldungen der anderen Parlamentarier dem Antrag von nicht geschlossen folgte.
Ich möchte allen Kollegen in der Stadtverordnetenversammlung die Hand reichen, gemeinsam für ökologisch sinnvolle Themen zu kämpfen, weniger Populismus, einfach mal die eigenen Taten sprechen zu lassen! Sich mit allen Fraktionen im Vorfeld zu Ideen auszutauschen und nicht zu glauben, dass die eigene Leistung an der Anzahl von Punkten in einem einzelnen Antrag oder der schieren Menge an Anträgen gemessen wird. Wir Grüne stehen bereit genau dabei zu unterstützen.
Sebastian Heß