Der Leserbrief stammt von unserer Parteifreundin Natascha von Born und bezieht sich auf den Leserbrief „Politische Spielchen: Hitze-Sitzung abgebrochen, Hitzeschutz abgelehnt und jetzt das Umdenken“ von Herrn Theymann im Viernheimer Tageblatt vom 04.06.2026.
Als Bürgerin kann man manchmal nur ungläubig auf das Geschehen in der Kommunalpolitik schauen.
In die Politik geführt haben mich vor allem die Sorge um unsere Klimaziele und die zunehmende Polarisierung unserer Gesellschaft. Gerade weil populistische Vereinfachungen unserer Demokratie schaden, halte ich einen ehrlichen und fairen Umgang mit Fakten für unverzichtbar.
Als Neuling auf kommunalpolitischer Ebene versuche ich mir ein Bild über die Arbeit unserer Parteien und unserer Verwaltung zu machen. Dazu gehört der intensive Austausch in unserer Grünen Runde, der Besuch der Stadt
Hierbei stieß ich auf den Leserbrief von Herrn Theymann, der mich zuerst verwunderte und dessen Worte ich, je mehr ich darüber reflektierte, schlichtweg ärgerten. Hätte ich beide Stadtverordnetenversammlungen nicht selbst besucht, würden seine Worte bei mir wohlmöglich aus anderen Gründen Empörung auslösen.
Hier zwei Beispiele: Herr Theymann erweckt den Eindruck, die Mehrheit der Stadtverordneten habe Maßnahmen zum Hitzeschutz abgelehnt und anschließend ausgerechnet wegen der Hitze die Sitzung beendet.
Es stimmt: Am 25. Juni war es im Ratssaal ausgesprochen heiß. Das offizielle Protokoll hält jedoch fest, dass Walter Benz von der UBV erst um 21:40 Uhr einen Geschäftsordnungsantrag zur Beendigung der Sitzung stellte. Dieser wurde bei einer Enthaltung angenommen. Einen konkreten Grund nennt das Protokoll nicht. Das Fußballspiel Ecuador gegen Deutschland begann um 22 Uhr. Die von Herrn Theymann hergestellte eindeutige Verbindung zwischen der Hitze und dem vorzeitigen Sitzungsende greift daher deutlich zu kurz.
Auch die Debatte über den Entsiegelungsantrag stellt er aus meiner Sicht einseitig dar. In keinem Redebeitrag wurde der Klimawandel oder die Notwendigkeit einer Anpassung an seine Folgen bestritten. Im Gegenteil: Die Grundintention des Antrags des Bürgernetzwerks wurde ausdrücklich als nachvollziehbar und als wichtige kommunale Aufgabe bezeichnet.
Kritisiert wurden vielmehr der Umfang und die praktische Umsetzbarkeit des konkreten Antrags. Er verband mehrere unterschiedliche Forderungen miteinander und hätte eine stadtweite Erfassung zahlreicher Flächen erfordert. In der Diskussion wurden der erhebliche Personalaufwand, mögliche Leitungen im Untergrund, Anforderungen der Verkehrssicherheit und die entstehenden Kosten angesprochen. Mehrere Redner machten zugleich deutlich, dass einzelne Bestandteile des Antrags durchaus unterstützenswert seien.
Abgelehnt wurde somit nicht der Hitzeschutz. Abgelehnt wurde ein konkreter Antrag, der aus Sicht der Mehrheit in dieser Form nicht ausreichend durchdacht und praktisch kaum umsetzbar war.
Genau das stört mich an der Darstellung von Herrn Theymann: Aus einer differenzierten parlamentarischen Debatte wird eine zugespitzte Erzählung, die vor allem Empörung erzeugen soll.
Öffentliche Kritik gehört zur Demokratie, sollte jedoch fairerweise die tatsächlichen Argumente der Beteiligten wiedergeben. Reale Lösungen für unsere Stadt erfordern einen Konsens über den sinnvollen Einsatz unserer Ressourcen – und keine polarisierenden Überschriften, die am Ende nur den Frust der Menschen befeuern und damit unserer Demokratie schaden.
Natascha von Born