13.06.2015

Von: mg

Was nicht verboten ist, ist erlaubt!

 

Trinkwasser und Gesundheit haben für die Große Koalition oberste Priorität?
Dann müssen Union und SPD im Bundestag für ein Fracking-Verbot stimmen!

„Weitgehendes Fracking-Verbot“ bzw. „strengste Regelung, die es je gab“, wie es Umweltministerin Hendricks (SPD) formulierte? Die Experten, die am Montag (08.06.15) im Umweltausschuss des Bundestags ihre Einschätzung zum geplanten Fracking-Gesetz gaben, sind da anderer Meinung. Die Bundesländer können sich nach Ansicht von Juristen damit nicht effektiv vor Fracking schützen und haben keinen Einfluss auf die Anzahl der Probebohrungen. Besonders brisant: Allein in Nordrhein-Westfalen könnte es bis zu 150.000 Fracking-Bohrungen geben.

Einstimmige Kritik gab es an der umstrittenen Expertenkommission. Die Fachleute in der Anhörung waren sich einig: Die Kommission liefert der Erdgasindustrie einen Freifahrtschein, denn faktisch können die Wasserbehörden eine Genehmigung nicht verweigern, wenn das Expertengremium vorher die Unbedenklichkeit attestiert hat. Zudem soll sie die demokratische Entscheidung durch den Bundestag, ob Fracking nach Auswertung der Probebohrungen verboten werden soll, im Jahr 2021 ersetzen. Das könnte verfassungswidrig sein. Teile der SPD und sogar Vizekanzler Sigmar Gabriel wollen die Expertenkommission daher aus dem Gesetz streichen.

Effektiven Schutz bietet nur ein generelles Fracking-Verbot. Vor der Abstimmung im Bundestag wollen wir noch einmal Druck machen! Auf der Aktionsseite des Umweltinstituts München e.V. erfahren Sie, wie Sie jetzt über die sozialen Medien aktiv werden können und welche weiteren Aktionsmöglichkeiten es gibt.


Was ist Fracking?

Durch Fracking werden in Gestein eingeschlossene unkonventionelle Gasvorkommen wie Tight Gas, Kohleflözgas und Schiefergas erschlossen. Um dieses Gas zu fördern, muss das Gestein aufgebrochen werden. Dies geschieht, indem man mit Sand und Chemikalien versetztes Wasser über ein Bohrloch in den Untergrund presst. Der Wasserdruck erzeugt Risse und Kanäle im Gestein. Wenn die Flüssigkeit wieder abgepumpt wird, kann das Erdgas durch die Risse entweichen. Förderung von Tight Gas mit Hilfe von Fracking gibt es in Deutschland bereits, die noch umweltschädlichere und risikoreichere Förderung von Schiefergas soll möglicherweise bald gesetzlich erlaubt werden.

Dokumentarfilm "Gasland"

Der amerikanische Dokumentarfilm „Gasland“ beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Fracking, der Förderung von Erdgas aus tiefliegenden Gesteinsschichten.

Überall in den USA wird intensiv nach Schiefergas gesucht. Das Ziel besteht darin, durch die Gasgewinnung unabhängig von Erdölimporten zu werden und somit die Energieautonomie des Kontinents zu gewährleisten. Halliburton, das marktführende Unternehmen für Gasförderung in den USA, hat das Fracking entwickelt. Dabei wird nach Tiefbohrungen Wasser, zumeist mit Quarzsand vermischt, in das Gestein gepresst, um dort Risse zu erzeugen und offen zu halten. Dadurch wird die Durchlässigkeit der Gesteinsschicht erhöht, und Fluide wie Erdgas, Erdöl oder Wasser können leichter zur Bohrung fließen und an die Oberfläche gefördert werden.
Dank dieser Fördertechnik wollen die USA zum "Saudi-Arabien des Schiefergases" werden. Aber welche Gefahren birgt diese Methode? Als der Filmemacher Josh Fox ein Schreiben erhielt, in dem er aufgefordert wurde, seinen Boden für Bohrungen zu vermieten, beschloss er, durchs Land zu fahren und den wohl gehüteten Geheimnissen, Lügen und Giften auf die Spur zu kommen. In den Staaten Colorado, Wyoming, Utah und Texas suchte der Regisseur vom neuen Gasboom betroffene Landsleute auf und sprach mit Wissenschaftlern, Politikern und Vertretern der Gasindustrie. Das Ergebnis seiner Untersuchung lautet: Das Fracking ist eine Umweltkatastrophe von nie gekanntem Ausmaß. Verschmutzung der Luft, der Wasserwege, des Grundwassers, chronische Gesundheitsprobleme, Tiersterben und brennbares Trinkwasser sind Folgen dieser umstrittenen Technik der Rohstoffgewinnung.

Der Dokumentarfilm von Josh Fox ist eine aufregende Untersuchung, die die Welt vor einer Katastrophe warnt, die durch das Fracking drohen könnte.
Film: www.youtube.com/watch


Zitate:
Wer den Dokumentarfilm „Gasland" von Josh Fox gesehen hat, der wird hoffen, von diesem Wahnsinn verschont zu bleiben – oder etwas dagegen unternehmen.

Die Betreiberfirmen und Gasförder-Unternehmen, an der Spitze der Halliburton-Konzern, erwiesen sich als abweisend, verschwiegen und verlogen

Josh Fox reist durchs Land und besucht Menschen, auf deren Land Bohrungen stattfinden. Und findet: Kranke. Und sieht und riecht stinkendes Trinkwasser, erfährt von schwarzer Brühe, die aus der Waschmaschine kommt und ... muss sich anhören, dass die Verursacher, etwa eine Firma mit dem schönen Namen „Noble Energy", kaltlächelnd ihre Verantwortung leugnen und die zuständigen Behörden alles in Ordnung finden.

Beweisen, dass ihr Wasser vergiftet ist, müssen hier immer noch die Opfer, die Täter lehnen sich zurück und warten...

... in den Proben wurden unter anderem Strontium und Barium und etliche weitere hochgiftige chemische Verbindungen gefunden; das Luftreinhaltungsgesetz der USA gilt nicht für kleinere Emissionsquellen – als solche gelten die einzelnen Bohrstände aber, auch wenn viele nebeneinander liegen.

An der Golfküste sind schon Landstriche kontaminiert, denn die Abfälle von Raffinerien und Bohranlagen, die man dort ins Meer gekippt hat, sind mit den Wassermassen des Hurrikans Katrina wieder zurückgespült worden.

Josh Fox's Kameraarbeit ist bisweilen amateurhaft, die Montage unbeholfen, aber er hat für seinen Dokumentation verdientermaßen einen Preis bekommen.

Filmkritik siehe www.moviemaze.de/filme/3636/gasland.html

Gasrausch - Film zum Thema Fracking in Deutschland

 

Quellen:

Aktions- und Infoseite vom Umweltinstitut München e.V.

PM Bündnis 90/Die Grünen: Bundesregierung will Fracking in Natura2000-Gebieten erlauben

PM Bündnis 90/Die Grünen: Hochrisikotechnologie Fracking

PM Bündnis 90/Die Grünen: Keine Schlupflöcher für Fracking


Kategorien:Natur und Umwelt
URL:https://gruene-viernheim.de/aktuelles/news-detail/article/was_nicht_verboten_ist_ist_erlaubt/archive/2015/june/