Wirtschaft(en) - Ein Beitrag im VT, 15.10.2011
Eingestellt von: Grüne Viernheim am November 17th, 2011
In Aktuell
Wirtschaft(en)
Liebe Viernheimer/innen,
kürzlich nach einer längeren Sitzung unserer Partei haben wir uns noch ein Pils an einer gemütlichen Theke genehmigt. Unser Wirt - politisch interessiert und sehr aufgeschlossen - fragte nach unseren aktuellen Themen. „Die Wirtschaft“ lautetet unsere Antwort, und gleich baten wir ihn um seine Einschätzung der Lage in Viernheim, Griechenland, Europa und den USA.
„Es ist doch ganz einfach“, war seine Antwort, „meine Wirtschaft läuft dann, wenn der Wirt schafft!“
Genial!
Haben wir damit das Grundrezept für funktionierende Wirtschaften? Für Volkswirtschaften, Betriebe, Stadt- und und Staatshaushalte? Also vereinfacht gesagt, einer muss die Verantwortung spüren und tragen, die anstehenden Entscheidungen sinnvoll treffen und die richtigen Arbeiten verrichten? Möglicherweise wären wir der Antwort näher, wenn wir wüssten, wer jeweils der Wirt ist, an dem die Verantwortung hängt.
Welche Kandidaten für die wichtige Position des Wirtes haben wir also? Sind es vielleicht die Banken? Ich fürchte, die können es nicht sein. Es verschulden sich Gemeinwesen, ganze Länder und Volkswirtschaften, die Banken profitieren - und wenn es eng wird, dann retten wir die Banken mit unseren Steuern oder unserem Privatvermögen. So einfach sollte es der Wirt mal haben, der schafft!
Also vielleicht die Städte, Staaten, Organisationen? Schon besser, denn dort sind die Mittel begrenzt und wenn man Wirtschaften als Umgang mit knappen Mitteln definiert, dann wären wir hier an der richtigen Stelle. Jedoch: weit gefehlt! Netto-Neu-Kreditaufnahme macht offenbar süchtig, wie sonst kann es passieren, dass man auf allen institutionellen Ebenen jedes Fiskaljahr mehr davon benötigt? Wie kann man es zulassen, dass die Zinslasten alleine gewaltige Belastungen der öffentlichen Haushalte darstellen, an Tilgungen gar nicht zu denken? Wie kann man auf Kosten seiner eigenen Kinder leben? Hier ist er wohl auch nicht, der Wirt, der schafft!
Oft höre ich Menschen sagen: „In meinem privaten Haushalt würde ich nie so wirtschaften!“ Aha, da sind wir: Bei den Konsumenten. Denn offensichtlich würden sich die meisten privat anders verhalten, als es unsere Firmen, Haushalte und Institutionen tun.
Wenn nun aber unsere Politik, unsere Gemeinwesen und unsere Wirtschaft ganz andere Dinge tun, als in unserem Sinne zu handeln, dann haben wir eine gewaltige Schieflage. Und die Menschen spüren es!
Szenenwechsel: Im Herzland des hochgelobten und ungezügelten Kapitalismus gehen plötzlich Menschen auf die Straße. Unter dem Motto „Besetzt Wall Street“ protestieren sie dagegen, dass ihre Gesellschaft daran krankt, dass dort 1% der Menschen über den Löwenanteil des Vermögens im Land verfügen und sich die Politik nur auf diese ausrichtet. Proteste gegen angebliche Freiheit und Kapitalismus sind in den USA neu, aber sie sind schon in 300 Städten.
Nochmal Szenenwechsel: Gerade retten wir Griechenland… Gut so, schließlich haben sie für uns die Demokratie erfunden und könnten eigentlich dafür eine Urheberrechtsabgabe oder Lizenzgebühren verlangen. Spaß beiseite: Es ist gut, wenn wir Menschen retten, denen es schlecht geht. Aber darf man Vereinsmitglieder auch aus einem Verein werfen, wenn sie den Vereinsstatuten nicht mehr entsprechen? Eine berechtigte Frage - was würde denn unser Wirt raten? Oder retten wir eher den Euro? Wieso ist er eigentlich in Gefahr?
Das zu beantworten ist schwer, es zu diskutieren auf jeden Fall lohnend und wichtig.
Wem diese Themen am Herzen liegen, dem darf ich eine Veranstaltung mit den Titel „Eurokrise und kein Ende?“ am 14. November um 19.00h in der Viernheimer Kulturscheune empfehlen.
Der Vortag - mit anschließender Diskussion - wird von der VHS organsiert und wurde gemeinschaftlich und parteiübergreifend initiiert und finanziert von allen Viernheimer Parteien. Der Referent, Dipl.-Kfm. Ralf Becker, ist Mitglied der Gruppe „Our future economy“ der Europäischen Akademie der Wissenschaften, er arbeitet mit im nationalen Nachhaltigkeitsrat, beim „Club of Rome“ und bei Misereors Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“. Er ist praktizierender Christ und europaweit geschätzt für seine spannenden Vorträge, seine kreativen Ideen und seinen gesamtwirtschaftlichen Sachverstand. Dieser Vortrag ist für Interessierte eine Gelegenheit, wie sie sich nur selten bietet. Ich lade Sie dazu herzlich ein, der Eintritt ist frei.
Ach ja, wer ist denn nun der Wirt, der schafft? Ich denke, wir sind es selbst, jeder für sich und alle gemeinsam. Und wir haben es in der Hand, mittels Wählerstimme, Ehrenamt und Initiative können wir viel verbessern - wir müssen eben „schaffen“.
Herzlichst
Thomas Klauder

